Die katalanische Sprache auf den Balearen
- Soziale Situation des Katalanischen
- Katalanisch in den Schulen
- Katalanisch in den Medien
- Katalanisch in der Administration
- Die Ortsnamen
- Die Personennamen
Gemäß den letzten Statistiken stimmt es anscheinend, dass die Bewohner der Balearen, die Katalanisch als erste Sprache sprechen, nicht mehr in der Mehrzahl sind. Es stimmt aber auch, dass diese Sprache heute unbestreitbar ein hohes soziales Ansehen genießt. Sie verdankt dies dem festen Willen vieler Inselbewohner, welche unabhängig von ihrer Herkunft beschlossen haben, das Katalanische zu leben und zu fühlen und sich unsere Welt endgültig auf Katalanisch zu erschließen.
Katalanisch ist die eigentliche Sprache der Balearen mit Dialektvarianten auf jeder Insel. Aber es sind auf allen Gemeinsamkeiten zu beobachten, zum Beispiel der Gebrauch altertümlicher Formen, die anderswo nicht mehr benutzt werden wie etwa die Artikel es, sa und so anstatt el, la und lo ( salzige Artikel).
1.- Soziale Situation des Katalanischen
Das Katalanische (catalán) ist auf den Balearen eine ganz lebendige Sprache und wird parallel gesprochen zum Spanischen (castellano), der anderen offiziellen Sprache. Die folgenden zwei Tabellen sind einer Studie über Sprache und Gesellschaft in den Katalanisch sprechenden Gebieten zu Beginn des 21. Jahrhunderts entnommen, die das Sekretariat für Sprachpolitik der Autonomieregierung Kataloniens durchgeführt hat. Sie zeigen ein klares Bild der aktuellen Situation der katalanischen Sprache auf den Balearen.
|
Bevölkerung |
verstehen Katalanisch |
sprechen Katalanisch |
können Katalanisch lesen |
können Katalanisch schreiben |
|
Bevölkerung insgeramt |
93,1 |
74,6 |
79,6 |
46,9 |
|
15-29 Jahre |
93,2 |
80,1 |
89,8 |
77,4 |
|
30-44 Jahre |
94,8 |
72,3 |
82,9 |
49,6 |
|
45-64 Jahre |
92 |
69,1 |
73,7 |
27,3 |
|
65 Jahre und älter |
91,4 |
78,8 |
66,6 |
24,1 |
|
Identifikation mit der Sprache |
Katalanisch |
Spanisch |
Beide Sprachen |
Andere Situationen |
|
Erste Sprache |
42,9 |
48 |
1,7 |
7,4 |
|
Identifikatiossprache |
45,6 |
45,3 |
3,9 |
5,2 |
|
Gewöhnlich benutzte Sprache |
45,6 |
47,2 |
5 |
2,2 |
Bei der Interpretation dieser Angaben müssen wir uns zwei Tatsachen vor Augen halten, die den Gebrauch des Katalanischen zugunsten des Spanischen stark zurückgedrängt haben. In erster Linie wurde die Sprache während der 40-jährigen franquistischen Diktatur unterdrückt, wodurch katalanisch nur noch im engsten familiären Rahmen gesprochen werden konnte. Ein weiterer Grund ist die Immigration, die in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts mit Personen aus anderen Teilen Spaniens begann und immer noch andauert, allerdings heute mehr mit Personen aus Lateinamerika und Afrika. Die Tatsache, dass Katalanisch im Unterricht fast bis zum Ende der 70er Jahre verboten war, erklärt uns, warum unter den älteren Leuten der Prozentsatz derjenigen, die Katalanisch schreiben können viel niedriger ist. Diese Personen haben eine rein spanische Schulbildung gehabt. Dieser Umstand hat bewirkt, dass das Phänomen der „Sprachgebrauchs-Disglossie“ in unserer Gesellschaft sehr verbreitet ist. Damit ist gemeint, dass Personen, deren erste Sprache Katalanisch ist, beim Lesen und Schreiben das Spanische benutzen.
Es werden zahlreiche Kurse organisiert, um diesen Personen zu helfen, katalanisch lesen und schreiben zu lernen, was ihnen aber oft schwer fällt. Das liegt speziell daran, dass sie die katalanische Standardschriftsprache, die in den gedruckten Medien verwendet wird, nicht kennen.
Als letztes ist zu diesen Angaben noch zu sagen, dass sie einem Durchschnitt der vier Inseln entsprechen, welche aber ein heterogenes Bild zeigen. In der “Part Forana” Mallorcas (ganze Insel ohne Palma) und auf Menorca hat das Katalanische ein viel höheres Gewicht als auf Ibiza, Formentera, in Palma und in der Gemeinde Calviá in Mallorca, wo das Spanische deutlicher präsent ist.
2.- Katalanisch in den Schulen
Seit dem Beginn der Demokratie hat das Gewicht der katalanischen Sprache im Unterricht zugenommen. Die heutige Situation ist geprägt von einem „Minimaldekret“, welches vorschreibt, mindestens die Hälfte der Unterrichtsstunden auf Katalanisch abzuhalten. In der Realität haben aber fast alle Schulen Immersionsprogramme eingeführt, wobei Katalanisch die einzige Unterrichtssprache ist, hingegen Spanisch ein Fach wie jedes andere. Dieses Modell hat sich als das effizienteste erwiesen, wenn es darum geht, die korrekte Vermittlung beider Sprachen zu garantieren, da das Katalanische außerhalb der Schule in vielen Bereichen der Gesellschaft klar im Nachteil ist.
Dies hat zur Folge, dass in den meisten Schulen die Kinder bis zum 7. Altersjahr nicht anfangen Spanisch zu lernen. Das heißt nun nicht, dass für die Kleinen diese Sprache fremd wäre, schließlich ist sie in vielen Bereichen unserer Gesellschaft sehr präsent. Aber es ist tatsächlich so, dass der Spanischunterricht erst später einsetzt.
Die Mehrheit der Medien benutzt das Spanische, obschon auf allen Ebenen Alternativen auf Katalanisch existieren, die meist an öffentliche Subventionen gebunden sind. Man muss hinzufügen, dass in den meisten auf den Balearen produzierten Medien in spanischer Sprache Katalanisch nicht unterbunden wird.
Was die Presse betrifft, so erscheinen von den 9 Tageszeitungen auf den Balearen 7 auf Spanisch, eine auf Englisch und eine - mit einer eingeschränkten Leserschaft - auf Katalanisch . Wo hingegen Katalanisch als Sprache dominiert, ist bei den wöchentlich und monatlich erscheinenden Publikationen, wie es sie in allen Dörfern gibt. Was die audiovisuellen Medien betrifft, so herrscht das Spanische vor, obschon die öffentlichen Radio- und Fersehsender der Balearen und Katalonien ein qualitativ gutes Programm auf Katalanisch anbieten.
Im Internet schließlich finden wir von allem ein bisschen, und obwohl Katalanisch nicht die vorherrschende Sprache ist, bleibt zumindest unklar, ob es das Spanische ist, denn in diesem Medium wird vieles über die Balearen in anderen Sprachen veröffentlicht, vor allem auf Englisch und auf Deutsch.
4.- Katalanisch in der Administration
Hier muss zwischen der Staatsverwaltung und der lokalen Administration unterschieden werden. In der ersten gibt es Organe wie die Justiz- und Polizeiverwaltung, wo Katalanisch fast gar nicht vorkommt. Ganz anders ist es bei der Steuerverwaltung, welche die gesamten Unterlagen sowohl auf Katalanisch als auch auf Spanisch anbietet, wobei man für die nötigen Formalitäten die Sprache auswählen kann.
In der lokalen Verwaltung hingegen, die abgesehen vom Gemeindewesen so wichtige Bereiche wie Gesundheit und Erziehung abdeckt, setzt man klar auf die Wiedereinführung des Katalanischen. Die Beamten müssen gute Kenntnisse dieser Sprache haben, in der auch die meisten Unterlagen verfasst sind. Das heißt nicht, dass keine Formalitäten auf Spanisch möglich wären, aber im Allgemeinen wird das Katalanische vorgezogen.
Die Namen der Ortschaften wurden bis zur Wiedereinführung der Demokratie nach der spanischen Ortographie geschrieben. Heute hingegen sind die offiziellen Namen auf Katalanisch geschrieben, sei es auf den Schildern oder auf den offiziellen Landkarten von Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera. Eine Schwierigkeit besteht darin, dass in einigen ausländischen Texten weiterhin die spanische Schreibweise verwendet wird, was bei der Suche nach dem Weg zu Verwechslungen führen kann. Dieses Problem wird verstärkt durch die Haltung einiger Unternehmer, die die katalanische Schreibweise ablehnen und sogar die Namen von Straßen übersetzen, sei es aufgrund des Phänomens der weiter oben beschriebenen Disglossie oder aus ideologischen Gründen.
Die Diktatur des Generals Franco bedeutete für die katalanische Sprache 40 Jahre „Finsternis“. Die Namen von Personen mussten in dieser Zeit auf Spanisch im Zivilstandsamt eingetragen werden. So sind in den Ausweisen der Leute, die damals geboren wurden, größtenteils die Namen auf Spanisch geschrieben, obschon diese Personen unter ihrem katalanischen Namen bekannt sind. So kann es sein, dass manche ihr Leben lang Bernat oder Margalida heißen, in ihrem Ausweis jedoch Bernardo oder Margarita steht. Interessierte Personen haben heute die Möglichkeit, dies zu korrigieren, indem sie einen entprechenden Antrag stellen.
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