Der Comte Mal, Mythos und Realität
Montag, 30. März 2009Der Comte Mal (böser Graf) ist die mallorquinische Version des legendären Comte Arnau aus Katalonien, welcher dazu verdammt wurde, bis in alle Ewigkeit als unerlöste Seele auf einem schwarzen Hengst herumzustreifen, der Feuer aus Maul und Augen spie. Der Graf sollte büßen für seine Untaten. So hatte er eine Geliebte, die Nonne war, und er zahlte seine Schulden nicht wie versprochen zurück. Diese in Mallorca legendäre Gestalt eines Bösewichts wurde überlagert von der eines anderen Adligen, Ramon Safortesa Pacs-Fuster de Vilallonga i Nét, dem zweiten Grafen von Formiguera (1627-1694), der Herr war über das Rittergut von Hero, über Santa Margalida, Alcudiola, Maria, Puigblanc, Castellet i Tanca und die alquería (Landgut) von Galatzó in Calviá. Mit 12 Jahren hatte er zwei schwerwiegende Rechtsstreitigkeiten von seinem Vater geerbt. In einem Streit ging es darum, dass der Graf Steuern eintreiben wollte, weil der König ihm Ländereien in der Gemeinde Santa Margalida überlassen hatte. Der andere Streitfall hatte damit zu tun, dass er die bürgerliche und strafrechtliche Rechtsprechung über die Bewohner seines Ritterguts ausüben wollte, in der Mehrzahl Leute aus dem Dorf Santa Margalida. Schließlich führte der Versuch, ein Feudalregime zugunsten des Grafen aufrechtzuerhalten, zu Missbrauch und Gewaltanwendung, was ihn in der Phantasie der Leute in Verbindung brachte mit der Geschichte des Comte Arnau. Diese bekannte Legende hat sich seit dem Mittelalter über ein populäres Volkslied in Mallorca verbreitet.
Der Comte Mal unterlag in seinem Rechtsstreit gegen das Dorf Santa Margalida und wurde weggejagt, was ihn aber nicht daran hinderte, im damaligen Mallorca eine hochrangige Persönlichkeit zu werden. Glaubt man der Legende, so erscheint er auf einem schwarzen Hengst, umgeben von Flammen, auf dem Berg Galatzó, einer seiner Ländereien. Im Palast Can Formiguera, seinem Wohnsitz an der Straße La Portella neben der Kathedrale in Palma, erzählt man sich, dass der Comte Mal den charakteristischen Turm dieses Baus errichten ließ, um seine Geliebte sehen zu können, die Nonne im Klarissenkloste war. Durch die Literatur des 19. Jahrhunderts und mündliche Überlieferungen entstand eine Mischung aus Legende und Realität, die den Comte Mal zu einem der bekanntesten Mythen der mallorquinischen Volkskultur werden ließ.

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